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Im März 2009 wurden im Gemeinderat verschiedene Beschlüsse zur neuen Sporthalle gefasst. Dabei brachte die UL auch Energiethemen in die Diskussion. Die UL wurde allerdings überstimmt.

 

 

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Der Artikel: Gremium folgt Expertenrat

Schwäbische Zeitung vom 16.03.2009:

Gemeinderat

Gremium folgt Expertenrat

OCHSENHAUSEN (hjr) - 21 weitereGewerke für den Bau der Sporthalle hat der Ochsenhauser Rat vergeben und damit rund 85 Prozentder Gesamtkosten beauftragt. DasGremium folgte den Empfehlungen der Sachverständigen und verzichtete einstimmig auf eine thermische Solaranlage. In zwei Fällen – bei den Zimmererarbeiten und den Bodenbelagsarbeiten – kam es bei der Vergabe zu Unstimmigkeiten; die Verwaltung wurde von der Mehrheit der Räte überstimmt, die einen örtlichen Bewerber bevorzugte,wobei vorher eine geheime Abstimmung knapp abgelehnt worden war.

Das Ing.-Büro Fischer aus Biberachhat untersucht, ob zu der bereits beschlossenen Wärmeerzeugung mit Gas-Luft-/Wasser-Wärmepumpe mit Gasbrennwertkessel eine thermischeSolaranlage eine sinnvolle und wirtschaftliche Ergänzung darstellenkönnte. Aus wirtschaftlicher Sicht, so der  Sachverständige Klaus Dangel, sei dies nicht zu empfehlen, da die gewählte Variante  schon einen extrem hohen Jahreswirkungsgrad erziele. Eine aufgeständerte Photovoltaikanlage auf dem Flachdachteil der neuen Sporthalle wurde ebenfalls auf ihre Wirtschaftlichkeit berechnet. Neben den mit dem Flachdach zusammenhängenden bautechnischen Problemen ergab sich hier eine rechnerische Rendite von 1,16 Prozent.  Alois Gerster und Hildegard Schultheiß-Jucker (UL) bezweifelten diese Zahlen, hielten  das bautechnische Risiko für zugroß. Sie beharrten aber auf einer grundsätzlichen Position –  „Die Gemeinden müssen beim Klimaschutz Vorbild sein!“ – und setzten durch,dass Leerrohre für eine eventuelle spä-tere Installation eingebaut werden. Mit der neuen, benachbarten Halleder Tischtennisfreunde Liebherr Ochsenhausen habe sich energietechnischeine neue Situation ergeben, meinten die Vertreter der UL. Hildegard Schultheiß-Jucker: „Zwei autarke Hallen nebeneinander? Wir haben da schon etwas versaut! Ich würde das gerne neu überdenken.“ Die Antwort des technischen Experten Klaus Dangel: „Wir können auf die neue Situation antworten, denn Kapazitäten sind frei.“Die Frage des Bürgermeisters, ob der Gemeinderat heute etwas falsch mache, wenn er beschließe, was er vor habe, wurde ausdrücklich verneint. Und Architekt Thomas Sick, der für beide Hallen verantwortlich ist, versicherte: „Wir haben das Gemeinsame der beiden Gebäude immer im Augebehalten und können Synergieeffekteerzielen.“  So folgte der Rat mehrheitlich der Argumentation der Experten; dennoch gab es bei der Abstimmung vier Gegenstimmen.

 

Der Leserbrief

Leserbrief von Johannes Angele in der Schwäbischen Zeitung vom 20.03.2009

Ochsenhauser Rückständigkeit


Immer mehr Gemeinden setzen sich ehrgeizige Ziele und wollen mittelfristig die gesamte Energeversorgung auf 100 % regenerative Energien umstellen (www.kommunal-erneuerbar.de). Sie erkennen, dass gegen den bedrohlichen Klimawandel gehandelt werden muss, sie setzen auf einheimische Energien und wollen bald unabhängig werden von Importen aus dem unberechenbaren Russland oder dem Pulverfass Naher Osten. Die Zukunft ist ohnehin nur mit regenerativen Energien möglich oder es gibt keine Zukunft für unseren Planeten.
In Ochsenhausen gibt es keine ökologischen Visionen, da pflegt man die Kleinkariertheit und sucht sich ein Ingenieurbüro, das einem diese Rückständigkeit mit ein paar Dreisätzen bestätigt.
Da wird eine Wärmepume mit Aussenluft als Wärmequelle vorgeschlagen. Die funktioniert dann am schlechtesten, wenn sie am meisten heizen sollte, bei kalten Aussentemperaturen. Grundwasser zu einem ganzjährig interessanten Temperaturniveau wäre 2 Meter unterhalb der Halle zu Verfügung.
Entsprechend errechnet man auch, dass eine solarthermische Anlage für Duschen etc. in dieser Sporthalle nicht wirtschaftlich wäre. In Ochsenhausen leistet man sich auf so vielen Gebieten Luxus, ohne nach der Wirtschaftlichkeit zu fragen, dass man sich den vermeintlichen Luxus hier auch hätte leisten können. Beim richtigen Konzept wäre es sogar wirtschaftlich.
Die gleiche Engstirnigkeit regiert bei den Überlegungen zu einer Solarstromanlage. Auch hier wird eine Unwirtschaftlichkeit herbeigerechnet. Das hiesse, alle Bauern, Gewerbetreibenden und Privatleute die sich Photovoltaikanlagen aufs Dach bauen, wären dumm und könnten nicht rechnen. Ich frage mich, wer hier nicht rechnen kann und was für Experten da am Werke sind?

Johannes Angele, Reinstetten

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Die Reaktion des Bürgermeisters

Eigentlich reagiert Bürgermeister Denzel nicht auf Leserbriefe.
Hier machte er aber ein Pressegespräch:

Schwäbische Zeitung vom 2. April 2009:

Solartechnik im Ochsenhauser Stadtgebiet

Denzel: Wir scheuen keinen Vergleich

OCHSENHAUSEN - Die Stadt Ochsenhausen hat in einem Pressegespräch über den Stand der Solartechnik im Stadtgebiet informiert. Demnach werden auf städtischen Dächern 330 KW Solarstrom produziert. Alle Anlagen zusammen liefern laut Winfried Reischmann pro Jahr rund 325 000 kWh CO2-neutralen Strom.

Von unserer Mitarbeiter Hans-Jörg Reiff

Eigentlich reagiere er grundsätzlich nicht auf Leserbriefe in der Presse und er habe dies auch in der Zukunft nicht vor, stellte Bürgermeister Andreas Denzel klar. Dieses Mal sei er aber ganz zufrieden, dass er ein schon länger vereinbartes Pressegespräch dazu nutzen könne, mit seinen Mitarbeitern auf öffentlich geäußerte Kritik einzugehen.

„Wir glauben, dass wir in Sachen regenerativer Energieezeugung alles andere als rückständig sind. Im Gegenteil, wir brauchen keinen Vergleich zu scheuen“, meint der städtische Mitarbeiter Winfried Reischmann. So produziere zum Beispiel Leutkirch – zweimal so groß wie Ochsenhausen und deutlich sonnenverwöhnter – rund ein Drittel weniger Energie auf seinen Dächern.

Bereits Mitte der 90er-Jahre habe die Stadt, so Reischmann, ihre Bürger durch Energiesparaktionen sensibilisiert. 1996 habe Ochsenhausen eine große Ausstellung mit Wärmepumpen und Solaranlagen im Fruchtkasten organisiert, begleitet von Fachvorträgen mit hervorragender Resonanz.
Zuschüsse für bislang 90 Anlagen

Die Stadt Ochsenhausen habe annähernd 90 Anlagen mit Zuschüssen angeschoben und werde dies auch weiter tun, obwohl die Möglichkeiten, auf städtischen Dächern Strom zu produzieren, weitgehend ausgeschöpft seien. Zudem habe sich die Rottumstadt im Jahr 2003 als erste Gemeinde im Kreis mit der Stadt Biberach an „SolarLokal“ beteiligt, einer Imagekampagne für Solarstrom, die ökologische und ökonomische Zielsetzungen miteinander kombiniert.

„Die Energie, die wir nicht verbrauchen, muss nicht erzeugt werden“, sagt Bürgermeister Andreas Denzel. Dies sei eines der Prinzipen, von denen sich die Stadt leiten lasse. Ferner sei es für die Stadt völlig unerheblich, wer Eigentümer der Solarenergie erzeugenden Anlagen ist: „Wichtig ist, dass wir unser Kapital, nämlich städtische Dächer, für diesen Zweck zur Verfügung stellen und damit die Grundlage schaffen, regenerative Energie zu erzeugen.“

Eigentümer solcher Anlagen sind bisher Bürger aus Ochsenhausen und Umgebung. Wenn künftig weitere private Investitionen zustandekommen, werde sich die Stadt wie bisher positiv dazu stellen, kündigte Winfried Reischmann an.

 

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Kommentar zum Pressegespräch

Der Bürgermeister führt ein Pressegespräch zu Energiethemen als Reaktion auf einen Leserbrief. Der einzige Leserbrief zu Energiethemen in Ochsenhausen in letzter war der vom 25.03.2009. Warum geht er dann nicht auf die Themen dieses Leserbriefes ein?

 

Der Bürgermeister und seine Mitarbeiter führen aus, dass die Stadt doch schon manches getan habe in Sachen derneuerbare Energien:

So habe die Stadt erlaubt, dass auf städtischen Dächern von Privatleuten Photvoltaikanlagen gebaut wurden.
Das ist lobenswert.

Ausserdem sei 1996 eine Ausstellung zu Wärmepumpen und Solaranlagen veranstaltet worden.
Das war ein sinnvoller kleiner Anfang unter dem alten Bürgermeister. Was war in den letzten dreizehn Jahren?

Dann seien fast 90 Anlagen (welche?) durch Zuschüsse der Stadt angeschoben worden.
Gut gemeint. Darüber kann man politisch unterschiedlicher Meinung sein. Ich meine eher, dass ohne den Zuschuss gleich viele Anlagen gebaut worden wären.
Gibt es das Zuschussprogramm noch? Wenn ja, warum wird es dann geheim gehalten?
Und ist das ein Zuschussprogramm für private Photovoltaikanlagen auf kommunalen Dächern? Oder hat da der Journalist was durcheinander gebracht? Oder der Bürgermeister?

 

Der Bürgermeister wird zitiert mit "Die Energie, die wir nicht verbrauchen, muss nicht erzeugt werden" Richtig Herr Bürgermeister.

Nicht erwähnt wird in dem Presseartikel, dass die Stadt Ochsenhausen selbst keine einzige eigene Solaranlage gebaut hat, weder eine Photovoltikanlage noch eine Solarthermische Anlage.

Nicht erwähnt wird, dass in den neunziger Jahren die Chancen zum Bau einer Holzhackschnitzelheizungsanlage für das Schulzentrum nicht genutzt wurden.

Erwähnt wird in dem Pressegespräch dass Leutkirch weniger Solarstrom produziert als Ochsenhausen. Es ist immer leicht, schlechtere zu finden.
Sinnvoller wäre es, sich die besseren zum Vorbild zu nehmen. Beispielsweise die Gemeinden, die sich 100% regenerative Energien zum Ziel gesetzt haben.

In Ochsenhausen gibt es keine energiepolitischen Ziele, keine Visionen.

Wenn man sich die Internetseite der Stadt Ochsenhausen http://www.ochsenhausen.de anschaut, dann werden da wichtige Themen wie Kunst und Kultur und Tourismus und sogar Wirtschaft und Bauen behandelt.

Das Thema Umwelt oder das Thema Energie kommen überhaupt nicht vor.
Und das entspricht auch dem Eindruck, den die Stadtverwaltung über ihre Arbeit und Prioritäten vermittelt.

In Ochsenhausen gibt es kein Konzept, ob wann und wie man zu 100% regenerativ kommen will.

In Ochsenhausen wird das Energiethema nicht ganzheitlich angegangen, sondern da werden etwa Bebauungspläne erstmal fertig gestellt und gehofft, dass das mit der Energie schon irgendwie klappen wird.

Gebäude werden erst fertig geplant und am Schluss schaut man, was da noch für eine Heizung reinpasst.

Bei einer gesamtheitlichen Planung kämen ganz andere Lösungen heraus.

Entsprechend ging es auch bei den Sporthallen. Da wird nicht das Energiethema gesamtheitlich betrachtet, sondern nur eine Halle allein und nur einzelne Massnahmen. Dann kommen entsprechende Einzelmassnahmen heraus, die zu keiner sinnvollen Energiezukunft führen.

Auf all die Themen ist der Bürgermeister nicht eingegangen in seinem Pressegespräch.

Es gibt noch viel zu tun.

 

Johannes Angele                                          05.04.2009

 

 

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